Ein Bericht von Melanie Opp:
Es waren meine neunten Weltmeisterschaften der Masters auf insgesamt vier Erdteilen (sieben outdoor und zwei indoor). Über all die Jahre startete ich in Siebenkämpfen, Werfer-Fünfkämpfen und in Einzeldisziplinen.
Während die Eröffnungsfeier mit 20.000 Zuschauern und viel K-Pop tobte, befand ich mich erst auf dem Weg von der Arbeit zum Flughafen Frankfurt. Um mir etwas Druck für meine Paradedisziplin der Stabhochsprung zu nehmen, trat ich erstmals bei Weltmeisterschaften über die 100 Meter an und erzielte Platz 19 in 16,91 Sekunden und im Kugelstoßen Platz 12 mit 8,80 Meter. Die Wettkämpfe waren alle hoch professionell ausgerichtet, wie nie.
Aber nun zum Stabhochsprung: Nach sechs Tagen Pause und endlich ausreichend an das Klima angepasst zum Ende der Monsun-Zeit, ging es nun zum wichtigsten Teil meiner WM. Einen Tag vor dem Wettkampf war ein offizieller Wettkampf-Pausentag. Und so kam es, dass ich zum ersten Mal bei einer internationalen Meisterschaft einen Tag vor dem Wettkampf „trainieren“ konnte. Noch dazu konnte ich mir schon einen Stab ausleihen, präparieren und ausprobieren. Lediglich sechs Teilnehmerinnen waren unter diesen erschwerten Bedingungen gemeldet. Nur noch fünf Athletinnen standen am Abend zuvor noch auf der Startliste. Durch meinen selbstgemachten hohen Druck stieg ich schon bei 1,80m Meter ein. Ich absolvierte alle Höhen von 1,80m bis 2,30m im ersten Versuch. Meine ärgste „Konkurrentin“ Barbara Tapia aus Chile konnte ich ziemlich unter Duck setzen. Sie brauchte jeweils einen zweiten Sprung bei ihrer Einstiegshöhe 2,20 Meter und 2,30 Meter. Mittlerweile regnete es in Strömen. Aufgrund eines Kampfrichterfehlers hatte ich sogar vier Versuche bei 2,40 Meter, die ich noch nie zuvor überqueren konnte. Aber mit nassen Schuhen und ähnlich nassem Griff bei über drei Metern, war die unbekannte Höhe einfach zu hoch. Bei allen zehn Sprüngen coachte mich ein Betreuer der DLV-Delegation vorbildlich. Barbara gewann verdient mit 2,60 Meter. Die nationale polnische Rekordhalterin Renata Szykulska in der W50 erreichte Platz drei.
2013 errang ich in Porto Alegre / Brasilien die Bronzemedaille im Stabhochsprung. Nun Silber mit gleicher Höhe. Man kann also einen klaren Trend erkennen! Das lässt auf das Jahr 2039 hoffen, wenn ich 64 Jahre alt bin…
Fazit: In diesem hoch entwickelten Land mit viel Respekt, Höflichkeit und Herzlichkeit war ich mit Sicherheit nicht zum letzten Mal.



